Nachdenkliches zum Bundesparteitag 2012-2 der Piraten

Nachdenkliches zum BPT 2012-2 der Piratenpartei

„Meine Damen und Herren“ sagte sie und lautes „buh“ war die Reaktion der Anwesenden im Saal. Davon sichtlich irritiert hieß uns die erste Repräsentantin der Stadt Bochum gleichwohl zu unserem Bundesparteitag in der Stadt willkommen und wünschte uns einen erfolgreichen Parteitag. Sie, die nach gängiger Piratenauffassung 1.0 Politikerin, erwies uns damit den höflichen Respekt, tolerant zu unseren sicherlich unterschiedlichen politischen Auffassungen. Und wir, die Nicht-Damen und Nicht-Herren, Nicht-Frauen und Nicht-Männer, die genderfreien Piraten, aka Eichhörnchen, die wir ein update der gegenwärtigen Politik fordern, reagierten auf den Menschen, der uns begrüßte, intolerant, respektlos und unhöflich. In Piratensprech müsste ich jetzt sagen: Ich prangere das an. Nein, das reicht nicht: Für dieses Verhalten ist wohl der Begriff Fremdschämen passender und eine öffentliche Entschuldigung angebracht.

Eine Politik 2.0 fängt aus meiner Sicht zuerst bei uns selbst an, unserem Verhalten untereinander und zu anderen. Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch, das Individuum mit seinen Stärken, Schwächen, Fehlern und Verhaltensweisen. Bevor wir anderen eine nach unserer Auffassung bessere Politik vermitteln können, müssen wir durch unser Verhalten öffentlich deutlich machen, dass wir uns untereinander mit Respekt begegnen, dass wir unterschiedliche Auffassungen tolerieren, aber überzeugend im Ton und sachlich unseren Standpunkt vertreten, dass wir unseren gewählten Funktionsträgern vertrauen, auch wenn sie Fehler machen. Wenn wir das nicht gebacken kriegen, sind wir auch nicht besser als der Herr Pofalla.

Wie sieht es aus mit unserem Demokratieverständnis und was ist daran Politik 2.0, wenn auf dem Parteitag mit großer Mehrheit eine Tagesordnung und damit eine klare Reihenfolge der Anträge beschlossen wird, um letztere dann durch gefühlte 150 Geschäftsordnungsanträge wieder umstossen zu wollen, damit der eigene Antrag vielleicht doch noch behandelt wird?

Was ist daran Politik 2.0, wenn inhaltlich ähnliche Anträge aus unterschiedlichen Arbeitsgruppen vorgelegt werden, ohne die vorhandene Kommunikationstechnik zu benutzen, um einen gemeinsamen Antrag vorzulegen? Die AG Tellerrand und die AG Forscherpiraten versuchen das gerade. Wir wollen keine Delegierten und keine Programmkommission, die uns vorformulierte Anträge vorgibt, also müssen wir uns selbst organisieren und den oben als Politik 2.0 eingeforderten Umgang miteinander pflegen.

Wie wäre es, wenn wir alle ein wenig innehalten und uns auf Werte der Aufklärung besinnen würden. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder der kategorische Imperativ sind auch im Jahr 2012 keine Leerformeln, sie sollten uns Lehrformel sein und uns leiten zu Courtoisie, Loyalität und Toleranz untereinander.

Lutz Martiny (@xalxano)

https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Lutz_MARTINY

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6 thoughts on “Nachdenkliches zum Bundesparteitag 2012-2 der Piraten

  1. Du unterschlägst, dass Sie uns nicht mit ‘Meine Damen und Herren’, sondern mit ‘Liebe Delegierte’ begrüßt hat und damit eines der aktuell intern zentralen Themen angesprochen hat. Wir sind keine Delegierte, wie die Typen von der SPD.
    Und auch unterschlägst du, dass gerade diese Frau aktuell die personifizierte Intransparenz ist! Sie ist mit dafür verantwortlich, dass dieses Stadtwerke-Gate der Stadt Bochum erstens zu stande gekommen ist und zweitens nicht aufgeklärt wird. Sie ist mitverantwortlich für ein hohes Maß an Filz aka Korruption und Vetternwirtschaft innerhalb von Bochum ist. Sie ist als Aufsichtsratsvorsitzende auch mitverantwortlich, dass die Stadtwerke aktuell die Strompreise erhöhen und somit ein hohes Maß an Misswirtschaft bei den Stadtwerken (Steigeraward, Atriumtalk, Musikzentrum) vom BÜRGER getragen wird. Nichts davon wird umfangreich aufgearbeitet. Nur die Presse sorgt gelegentlich für neue Informationen. Die Rechnungsprüfung im Rathaus musste die Aufgabe wegen Befangenheit abgeben. Die daraufhin beauftragte Wirtschaftsprüfungsunternehmung hat zuvor schon in größerem Maße mit Herrn Steinbrück zusammengearbeitet.

    Ehrlich gesagt ist sie mit Buhrufen schon ganz gut weggekommen und auch der abschließende Applaus war für mich etwas überraschend. Mir war mehr faulen Eiern, aber das hätte ja unseren BPT beeinträchtigt.

  2. Voll süss die Kommentare:
    Genau so, wie man und frau sich mittlerweile Piraten vorstellt.

    Irgendwie wird Euch einfach nicht klar, dass Teenagergekotze -wie inhaltlich korrekt es auch sein mag- nicht wählbar ist.

    Wir sind eine Patchworkgroßfamilie die bei der letzten Wahl hier vor etwa einem Jahr mit 9 Wählern Piraten gewählt hat. Da haben wir an das Prinzip Piraten geglaubt: Liquid Democracy.

    Das letzte Mal, dass wir über Piraten gesprochen haben, war im Mai.
    Da waren wir richtig angepisst von dem Stil mit dem auch mit uns kommuniziert wurde.
    (Wir sind doch keine Spackos !)

    In Anbetracht der Tatsache, dass bei uns 7 Jungwähler unter 22 sind, fürchte ich, dass ihr der Idee der Demokratie den schlimmsten aller Dienste erwiesen habt: Wir haben keine andere Wahl als nächstes Jahr entweder nicht zu oder “etabliert” zu wählen.

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